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Schweiz braucht Verhaltenskodex für Finanzjournalisten

In Medien der Ringier-Gruppe wurden Aktien der Meyer Burger empfohlen, ohne dass über substantiierte Kritik berichtet wurde. Diese Kritik wurde als „Schmutzkampagne“ abgetan. Ein kritischer Bankanalyst erhielt Morddrohungen gegen sich und seine Familie. Leser erlitten hohe Verluste. Zum Zeitpunkt der Empfehlungen verkaufte Grossaktionär Kondrashev ein Drittel seiner Aktien zu hohen Kursen. SASV wird Verhaltensregeln für Finanzjournalisten erarbeiten.


Der Schweizerische Anlegerschutzverein (SASV) und seine Präsidentin Gisèle Vlietstra wurden kürzlich Ziel eines diskreditierenden Artikels, der in den Ringier-Medien Sonntagsblick und Handelszeitung publiziert wurde. In dem Artikel werden vom Autor Beat Schmid Pauschalvorwürfe gegen den SASV und seine Präsidentin erhoben. Anders als insinuiert wird, hält der SASV selbstverständlich alle gesetzlichen Transparenzregeln für private Vereine ein. Deshalb erklärt Beat Schmid wohl auch nicht, um welche „Transparenzregeln“ es sich konkret handeln soll, die – Zitat – „für den SASV selbst nicht zu gelten scheinen“. Auch stellt Beat Schmid in dem Artikel falsche Tatsachenbehauptungen auf, so z.B. dass die Vereinsstatuten nicht auf der Homepage des Vereins abrufbar seien (siehe jedoch: https://www.anlegerschutzverein.ch/_files/ugd/239263_19193b75d81f442c9a0fc2d963734766.pdf).

Die Aussage im Artikel, dass der „SASV in Verruf sei“, wird nicht erläutert und scheint die Privatmeinung von Beat Schmid zu sein. Als Journalist vermischt er hier seine Meinung mit sachlicher Berichterstattung ohne die eigene Meinung als diese erkennbar zu machen und ohne diese zu begründen.


Umso detaillierter berichtet Beat Schmid dafür über private Aktivitäten der Präsidentin, wie die Vermietung von Ferienimmobilien und veröffentlicht ihre privaten Adressen. Welche Relevanz hat dies für die Öffentlichkeit? Die Antwort lässt Beat Schmid im Artikel offen.


Neben seiner Tätigkeit für Medien der Ringier-Gruppe, betreibt Beat Schmid seinen privaten Blog „Tippinpoint“, in dem er wenige Tage zuvor bereits schrieb, dass die Kooperation des SASV mit anderen Klägern der UBS im Rahmen der Übernahme  der Credit Suisse „Irritationen“ hervorgerufen habe. Für die Aussage zieht er einen (!) angeblichen und nicht namentlich genannten Teilnehmer einer anderen Klage gegen die UBS heran, der die „mangelnde Unabhängigkeit des SASV“ beklage.

Natürlich ist der SASV in der Frage der UBS nicht unabhängig, sondern vertritt mit vollem Einsatz die Interessen der über 2000 Kläger. In einem anderen Blogbeitrag behauptet Beat Schmid, Anleger müssten hohe Kosten bei einer Klageteilnahme zahlen. Auch dies ist eine falsche Tatsachenbehauptung: Anleger können sich der Klage vollkommen risikolos und ohne Kosten über einen Prozesskostenfinanzier anschliessen.


Für seinen privaten Blog „Tippinpoint“, wirbt Beat Schmid aktiv um „Gönner“. Auffällig bei diesem Blog ist, dass eine Zürcher Grosskanzlei als Referenzen auf der eigenen Webseite Interviews mit „Tippinpoint“ aufführt und Tippinpoint für Litigation PR verwendet. Können daher Berichte im privaten Blog von Beat Schmid gekauft werden?

Dem SASV ist ein Fall bekannt, in dem Beat Schmid einer Person Tippinpoint als Plattform für die Verbreitung teilweise falscher und unvollständiger Informationen zur Verfügung stellte. Diese Person wurde bereits vor Jahren zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 18 Monaten in Deutschland verurteilt und ist seit 2022 erneut Verdächtiger in diversen grossen grenzüberschreitenden Strafverfahren. Dem SASV liegen Informationen vor, aus denen hervorgeht, dass der besagte Verdächtige mit der Vorlage von ihm positiv gestimmten Artikeln auf „Tippinpoint“ seine nicht vorhandene Bonität darstellen und damit potentiell Gläubiger schädigen wollte.

Die Anfrage eines Anwalts eines Geschädigten, ob er für diese Berichterstattung auf „Tippinpoint“ bezahlt wurde, liess Beat Schmid damals unbeantwortet.


Der SASV recherchiert seit einiger Zeit zu einem Netzwerk von Journalisten und PR-Beratern, das durch einseitige Berichterstattung und eklatante Interessenskonflikte in Wirtschafts- und Finanzthemen aufgefallen ist.


Vielleicht sollte Beat Schmid für Transparenz sorgen und seinen Lesern erklären, ob er eine Motivation zu einseitiger Berichterstattung hat und ob es diesbezüglich Interessenskonflikte gibt?


Beat Schmid selbst stellt in seinen Artikeln immer wieder den Bezug zu Meyer Burger her und deshalb wollen wir an dieser Stelle die Hintergründe der Verbindungen aufzeigen:

  • Im Jahr 2021 hat Meyer Burger zahlreiche Ankündigungen gemacht und sehr optimistische Finanzprognosen veröffentlicht. Schon damals wurden diese von Aktionären der Meyer Burger kritisch hinterfragt, von denen einige in der Folge den SASV gegründet haben. Verwaltungsrat und Management von Meyer Burger unterliessen es, die Aktionärsfragen auf der Generalversammlung adäquat zu beantworten und das Protokoll wurde erst auf öffentlich Druck zehn Wochen später veröffentlicht. Die optimistischen Ankündigungen und Prognosen sind alle nicht eingetreten und Aktionäre verloren Status heute über 90 % ihres Investments. Der SASV hat bereits über die komplexen und über Jahre gehenden Sachverhalte berichtet und bereitet, wie angekündigt, rechtliche Schritte im Interesse geschädigter Anleger vor, die im Laufe des Sommers eingeleitet werden sollen.

  • Sentis Capital, das Anlagevehikel des russischen Hauptaktionärs von Meyer Burger, Piotr Kondrashev hatte 2021 zu hohen Bewertungen ca. ein Drittel seiner Aktien an Meyer Burger für vom SASV geschätzten 60-80 Mio. CHF verkauft. Schon zuvor wurden mögliche Interessenskonflikte derartiger Transaktionen von Gisèle Vlietstra, aber auch von dem ehemaligen Präsidenten des Verwaltungsrates von Meyer Burger, Remo Lütolf, kritisiert. Denn Kondrashev hatte seit 2020 bei Meyer Burger neben dem bei Sentis Capital angestellten Manager Mark Kerekes, auch seinen damaligen Anwalt Urs Schenker im Verwaltungsrat von Meyer Burger installiert.

  • Andreas Durisch und Alexandre Müller von der Kommunikationsberatung „Dynamics Group“ wurden Verantwortliche für Investor und Public Relations bei Meyer Burger. Zuvor standen sie als Kommunikationsberater ebenfalls im Sold von Piotr Kondrashev.Der SASV berichtete bereits, dass ihm Kommunikation vorliegt, aus der klar hervorgeht, dass wider besseren Wissens und gegen die klare Anweisung des betroffenen Organs bei Meyer Burger, eine Mutation „aus persönlichen Gründen“ von den IR-Verantwortlichen gemeldet wurde. Von Bedeutung ist die dem betroffenen Organ gegebene Begründung, dass dies die einzige Antwort sei, die nicht zu weiteren unnötigen Diskussionen und Fragen in der Öffentlichkeit führen würde.

  • Zahlreiche Medien berichten seit 2021 über die vom SASV geäusserte Kritik an Meyer Burger neutral und faktenbasiert. Mit zeitlichem Abstand verfasste Stefan Barmettler, der damalige Chefredakteur der Handelszeitung (auch Ringier Gruppe), im Oktober 2021 einen einseitigen und diskreditierenden Artikel über den SASV und andere Personen. Im Rahmen eines gerichtlichen Verfahrens wurde die Handelszeitung zur Ergänzung einer Klarstellung und Kostenersatz verpflichtet.

  • Bereits vor der Berichterstattung von Stefan Barmettler empfahl die Handelszeitung im Sommer 2021 ihren Lesern über die Aufnahme in ihr Musterportfolio den Kauf der Aktien von Meyer Burger zu Höchstkursen. Interessant ist hier, dass sich Stefan Barmettler und Andreas Durisch aus ihrer gemeinsamen Zeit bei Tamedia kennen. Leser, die zum Zeitpunkt der damaligen Empfehlung der Handelszeitung Aktien von Meyer Burger kauften, dürfen sich bei ihr für einen Verlust von über 90% bedanken. Vielleicht erklärt die Handelszeitung und Stefan Barmettler ihren damaligen Lesern, warum sie inhaltlich auf die substantiierte Kritik des SASV nicht einging und stattdessen über private Hintergründe beteiligter Akteure berichtete?

  • Mit dem Online-Portal Cash.ch trat ein weiteres Medium der Ringier-Gruppe in Zusammenhang mit Meyer Burger in Erscheinung. In der von Lorenz Burkhalter verfassten Kolumne „Cash Insider“ wurde Meyer Burger regelmässig einseitig positiv besprochen und im Zeitraum der Verkäufe durch Hauptaktionär Piotr Kondrashev im Jahr 2021 den Lesern des „Cash Insiders“ zum Kauf empfohlen. In dem Zeitraum waren die Aktien von Meyer Burger Bestandteil des Cash Insider Tracker Zertifikats, an dem sich Privatanleger beteiligen konnten. Pikant ist auch , dass Lorenz Burkhalter schon seit Jahren in engem Austausch zu Meyer Burger mit dem Kondrashev-Mitarbeiter Anton Karl steht, der für seinen Arbeitgeber die Transaktionen mit Meyer Burger tätigt. Welche Informationen wurden hier ausgetauscht? Wie später sein Kollege bei der Handelszeitung Stefan Barmettler, diskreditiert auch Lorenz Burkhalter kritische Stimmen gegenüber Meyer Burger und tat diese als „Schmutzkampagne“ ab, ohne sich inhaltlich mit den Kritikpunkten zu beschäftigen. Konkret ging es beim Cash Insider und der Handelszeitung um ein Schreiben eines Solarexperten, der im Juni 2021 folgendes schrieb: „Auch verschweigt Meyer Burger die vom Fraunhofer Institut entwickelte und propagierte TOPCon-Technologie, welche ein kostengünstiges Upgrade bestehender PERC-Produktionskapazitäten und höhere Wirkungsgrade als HJT/Smartwire verspricht. [...] Es bestehen also erhebliche Zweifel, ob MBT seine mittelfristigen Preis- und Mengenziele angesichts des enormen Konkurrenzdruckes und der stetig fortschreitenden technologischen Entwicklungen erzielen kann.“ Die Entwicklungen zeigen, dass die Erwartungen des Solarexperten genauso eingetreten sind. Auch Lorenz Burkhalter wird seinen Lesern erklären müssen, warum er diese substantiierte Kritik einfach als „Schmutzkampagne“ abtat und nicht das Gespräch mit dem Experten suchte. Lorenz Burkhalter schrieb auch  regelmässig in seinen Kolumnen gegen einen Bankanalysten, der in seinen Analysen wiederholt Verkaufsempfehlungen für Meyer Burger ausgesprochen hat. Der kritische Bankanalyst und seine Familie erhielten von Dritten sogar Todesdrohungen.

  • Auch im Diskussionsforum auf Cash.ch wird regelmässig positive Stimmung für die Aktien von Meyer Burger von anonymen Nutzern verbreitet. Bemerkenswert ist, dass Profile von Nutzern, die Kritik an Hauptaktionär Piotr Kondrashev und dem Management von Meyer Burger geäussert haben, ohne Angabe von Gründen gesperrt wurden. In einem Fall wurde sogar ein kritischer Nutzer mit Nennung des Klarnamens in der Handelszeitung unsachlich diskreditiert. Ringier stellt sich auf den Standpunkt, es sei opportun, Klarnamen der Nutzer von Cash.ch in den Ringier-Medien zu veröffentlichen. Es ist äusserst bedenlich, wie Ringier mit den Daten seiner Nutzer umgeht.

  • Mit der jüngsten Berichterstattung von Beat Schmid schliesst sich der Kreis. Denn auch er ist ein alter Bekannter aus Tamedia-Zeiten von Andreas Durisch, dem IR-Verantwortlichen bei Meyer Burger.


Wurde Beat Schmid beauftragt mit seinem jüngsten Artikel von den schweren Vorwürfen gegen Meyer Burger und die involvierten Journalisten und Berater abzulenken?

Beat Schmid scheint sich für „Steueroasen“ zu interessieren. Wieso schreibt er nicht über die Offshore-Konstrukte von Piotr Kondrashev in den „Steueroasen“ Liechtenstein und auf der Kanalinsel Guernsey. Offiziell soll Kondrashev seinen tatsächlichen Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in Österreich haben. Hintergründe zu Piotr Kondrashev als Hauptaktionär und Grossspekulant bei Meyer Burger dürften sicherlich von Interesse für die zahlreichen Aktionäre sein.


Die Leser der Ringier-Medien Sonntagsblick, Handelszeitung und Cash.ch verdienen Antworten vom Verlag: Handelt es sich bei den zuvor beschriebenen Vorgängen um unautorisiertes Vorgehen einzelner Journalisten nicht nur zu Lasten der Investoren und Leser, sondern auch von Ringier selbst? Leser haben ein Recht darauf, neutral und wahrheitsgemäss informiert zu werden. Interessenskonflikte sollten ausgeschlossen oder zumindest sollte auf diese hingewiesen werden.


Der SASV hatte zuvor bereits berichtet, dass der Redakteur des Westdeutschen Rundfunks (WDR) David Rühl über seinen Youtubekanal „Nebenwerte Junkie“ gegen Bezahlung die Aktie von Meyer Burger besprochen hatte. Entsprechende Aktionärsfragen wurden auf der Generalversammlung durch den Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung nachweislich falsch beantwortet. Dem SASV liegt auch Kommunikation vor, in der David Rühl in Absprache mit der Geschäftsleitung von Meyer Burger das Unternehmen in anderen Medien platzieren sollte.


Es zeigt sich, dass Finanzjournalisten grossen Einfluss auf die Kapitalmärkte nehmen können. Daher sollten diese etwaige Interessenskonflikte offenlegen müssen. Der SASV wird daher Empfehlungen für ein Regelwerk für Verhaltensregeln von Finanzjournalisten erstellen und dieses der Öffentlichkeit vorstellen.

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